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2010/23
 
60 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen am Abend des 5. August
vor der Ostdeutschen Heimatstube in Unna-Massen.
 
 
 
 
Wie in der Unnaer Presse für alle Bürger mehrfach angekündigt versammelten sich in Unna-Massen auf Einladung der ?Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung (OMV) der CDU Menschen aus den verschiedensten Bevölkerungskreisen, um nach einigen Grußworten den Vor-trag des erst 33-jährigen Historikers Michael Weigand aus Mönchengladbach zu hören.

Bemerkenswert war, dass in einer Zeit, da die CDU bundesweit im Umfragetief hängt, mitten in den Sommerferien zu einer nur mit Freiluft-Stehplätzen lockenden Veranstaltung der weit-hin unbekannten OMV trotz ganztags immer wieder drohenden Regens fast 100 Teilnehmer (der Chronist zählte 95) zu einem Thema kamen, bei dem in überregionalen Medien die Vertriebenen zum Teil jetzt wieder in einer derart schmerzhaft unsolidarischen Weise diffamiert werden, die man schon überwunden glaubte.

OMV-Kreisvorsitzender (zugleich stellvertr. OMV-Landeschef) Vollradt hob in seinen Begrüßungsworten das Ziel der Veranstaltung hervor: Am 60. Geburtstag der Charta einen Beitrag dafür zu leisten, daß dieses historische Dokument endlich auch in der veröffentlichten Meinung die ihm zukommende Würdigung erfahre. Später ergänzte er, sicher zu sein, daß es nur eine Frage der Zeit sei, dass dieser Charta der Friedensnobelpreis zuerkannt werde. Insbesonders seine Beobachtungen, wie sich die heutige Jugend in den einstigen Vertreiberstaaten verhält, ermutige ihn bei dieser Erwartung. Schon heute seien die innerdeutschen Attacken und Solidaritätsmangelbeweise starker linker Gruppen größer als die des Auslands.

Ausführlich schilderte Frau Dr. Bärbel Beutner als Kreisvorsitzende des überparteilichen Bun-des der Vertriebenen (BdV) das jahrzehntelange, ganz im Sinne der Charta auf friedliche Verständigung ausgerichtete Wirken der verschiedenen Vertriebenengruppen aus dem KreisUnna. Sie nannte -- zum Teil schon verstorbene -- Personen (wie z.B. den Schlesier Leo Bergmann aus Massen) und Aktionen in Unna und bei den zahlreichen Reisen in die alte ost- oder sudetendeutsche Heimat. -- Vizebürgermeister Porzybot überbrachte in seinen ebenfalls sehr ein- fühlsamen Worten die Grüße der Stadt (der zunächst dafür vorgesehene Ortsvorsteher Massens war verreist) und würdigte vor allem die Bedeutung des einstigen Lagers Massen, durch das die meisten der nach NRW gekommenen Vertriebenen einst gegangen sind. Einschließlich der zuvor von Vollradt gesondert begrüßten Rußlanddeutschen, die von Stalin als erste Deutsche vertrieben wurden (nach Sibirien) und in Unna-Massen als letzte ankamen. Viele dieser durch dieses Lager gegangenen Menschen seien -- so Porzybot -- in Stadt und Kreis Unna hängen geblieben. Dies müsse auch in der vertriebenenpolitischen Ausrichtung der Stadt seinen Niederschlag finden. Herr Weigand setzte sich in seinem fast halbstündigen Festvortrag mit Geschichte und vielen Einzelpassagen der Charta in freier Rede kenntnisreich auseinander. Vor allem überzeugte er mit seiner Kritik an der zum Teil grotesken Kritik an der BdV-Bundesvorsitzenden Steinbach und an der Charta. ?Wie, so fragte er, kann man fordern, ein 60 Jahre altes Dokument zu ändern? Es sei schon schlimm genug, ein Friedenspapier revanchistisch zu nennen. Am Beispiel Palästina machte er die positive Wirkung der deutschen Charta klar. Zum Schluss wurde zur Erinnerung an den 5.August 2010 eine Edelstahlplatte mit dem Chartatext an die Ostdeutsche Heimatstube geschraubt, die Nationalhymne gesungen, der Charta-text an die Teilnehmer verteilt und bei einem kleinen Imbiss im benachbarten AWO-Treff die wegen ihres hohen Niveaus allseits als gelungen betrachtete Veranstaltung im Detail bis 21 Uhr besprochen. Bedauernd wurde dabei nur gefragt, wie sich ein Zeitgeist, der den Vertriebenen fast jegliche Solidarität verweigert, jemals ändern soll, wenn selbst im ereignisarmen Sommerloch aus welchen kommerziellen oder anderen Gründen auch immer weder Antenne Unna noch ein einziger Reporter sich die vier recht verschiedenen Reden als Ganzes anhört.

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Vollradt
 
 
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