Archiv
 
 
2010/27
 
CDU gedenkt der Deutschen Einheit  - Rede des Stadtverbandsvorsitzenden
 
 
 
Rede zum 03. Oktober 2010

Sehr geehrter Dr. Herr Lehmann-Brauns, sehr geehrter MdB a.D. Hubert Hüppe, sehr geehrter Frau Sopora, sehr geehrter stellv. Bürgermeister Porzybot, meine sehr geehrten Damen und Herren, sehr geehrte Vertreter der Medien, liebe Parteifreunde.
Heute am 03.Oktober 2010 feiern wir zum 20. Mal unseren Nationalfeiertag.
Nationalfeiertag, was für ein wortgewaltiger Begriff. Schnell ist man versucht, Vergleiche mit anderen Nationen herzustellen, mit Frankreich das den 14. Juli, dem Sturm auf die Bastille, mit großem Pomp, Nationalbewusstsein aber auch ausgelassener Fröhlichkeit feiert. Dieses Ereignis liegt über 200 Jahre zurück.
Die Schweiz entzündet 700 Jahre nach dem legendären Rütlischwur am 1. August noch regelmäßig ihre Höhenfeuer.
 
Die USA feiern am 4. Juli ihre Unabhängigkeitserklärung und die Formulierung der Menschenrechte. Weitere Beispiele könnten jetzt folgen. Deutschland aber tut sich schwer mit seinem Nationalfeiertag. Warum?

Dass es Deutschland nie gelungen ist, einen konsensstiftenden Nationalfeiertag zu finden, hat meines Erachtens historische Ursachen. Einen großen revolutionären Befreiungsakt der gesamten Nation, an dem man sich aus sicherer historischer Distanz gemeinsam erinnern könnte, hat es nie gegeben. So wurde schließlich der 3. Oktober zum nationalen Feiertag. Die Gründe gerade für diesen Tag wird uns der Gastredner, Dr. Lehmann-Brauns, sicherlich noch verdeutlichen.

Eine weitere Ursache, warum es bisher nicht in der Breite der Bevölkerung gelungen ist, den 03. Oktober als Nationalfeiertag zu verinnerlichen, ist auch die Epoche, in der wir leben. Historisch betrachtet ist die Zeit, in welcher der Nationalstaat eine fortschrittliche Rolle spielte, vorbei. Die Weltwirtschaft dominiert längst jeden Aspekt des nationalen Wirtschaftslebens, das Stichwort Globalisierung sei hier genannt, Die internationale Politik – Stichwort Europäische Union - bestimmt längst weite Teile der nationalen Politik, einschließlich der Innen-, Rechts- und Sozialpolitik. Dieser Tatsache ist durch eine Rückbesinnung auf die Nation nicht beizukommen. Die Beschwörung nationaler Werte wird für uns Deutsche, gerade vor unserem geschichtlichem Hintergrund, schnell als reaktionär, chauvinistisch oder fremdenfeindlich bewertet, ein glattes Eis, auf das sich jeder Redner begibt, sollte er sich dessen nicht ständig bewusst sein oder sich sogar eines eigenen, nicht medialen - gesellschaftskonformen Wertekompasses als Grundlage für sein Ausführungen bedienen.

Die strengen Sittenwächter dieses angeblich gesellschaftskonformen Wertekompasses behaupten gerne, dass wir diese zurückhaltende, bis zur Selbstverachtung neigende Einstellung unseren Nachbarn, denen wir in den letzten hundert Jahren soviel Leid und Elend zugefügt haben, einfach schuldig sind. Dieses mag bei der einen oder anderen Nation, vielleicht auch nur bei einigen Vertretern dieser Nationen, zutreffen. Es gibt hier aber auch andere Stimmen im europäischen Haus.

Ich darf aus einer Festrede von Lennart Georg Meri zitieren, dem ehemaligen Präsident der Republik Estland, welche dieser am 03. Oktober 1995 in Berlin zum Thema "Europäische Ansichten über Deutschland" gehalten hat: „Als Erstes sage ich dies und frage mich, warum zeigen die Deutschen so wenig Respekt vor sich selbst? Deutschland ist eine Art Canossa-Republik geworden, eine Republik der Reue. Aber wenn man die Moral zur Schau trägt, riskiert man, nicht sehr ernst genommen zu werden. Als Nicht-Deutscher erlaube ich mir die Bemerkung: Man kann einem Volk nicht trauen, das rund um die Uhr eine intellektuelle Selbstverachtung ausführt. Diese Haltung wirkt auf mich, wie ein Ritual, eine Pflichtübung, die überflüssig und sogar respektlos gegenüber unserem gemeinsamen Europa dasteht“.
Soweit der Blick eines Nachbarn auf Deutschland.
Ich darf das Stichwort respektlos aus der Rede aufgreifen.

Wie sollen unsere europäischen Nachbarn uns und unseren Nationalfeiertag respektieren, wenn wir es zulassen, dass ausgerechnet dieser Tag zum Tag der offenen Moscheen erklärt wird? Warum gerade der 03. Oktober ? Ich kann mir nicht vorstellen, dass in einer anderen europäischen Nation - mit gleicher Integrationsproblematik - die dort lebenden Muslime den jeweiligen Nationalfeiertag in dieser Hinsicht vereinnahmen werden.

Ich halte es hier mit der hessischen CDU und empfinde die Terminwahl als „unpassend“ und „unsensibel“. Der „Tag der Deutschen Einheit“ solle nicht „durch andere bundesweite Aktionen bewusst oder unbewusst relativiert werden“.
Aber sind wir nicht ein Stück weit selbst an dieser Relativierung Schuld?

2004 forderte der damalige Bundeskanzler Schröder, den Tag der Deutschen Einheit als Feiertag abzuschaffen, um so das Wirtschaftswachstum zusätzlich anzukurbeln. Statt am 3. Oktober solle die Wiedervereinigung künftig immer am ersten Sonntag im Oktober gefeiert werden. Nach kurzer heftiger Debatte wurde der Vorschlag wieder fallen gelassen.
Dabei fiel in der öffentlichen Diskussion auf, dass nicht wenigen Zeitgenossen der Verlust eines arbeitsfreien Feiertages vor dem Gedanken der Wiedervereinigung wichtiger war.

Oder ganz aktuell:
Warum, meine Damen und Herren, wird ausgerechnet heute, am 03. Oktober, in Potsdam die Stichwahl des Oberbürgermeisters zwischen dem sozialdemokratischem Amtsinhaber Jacobs und seinem Herausforderer Scharfenberg von der Linkspartei, einem überführten und bekennenden IM der Stasi, durchgeführt? Hat man denn bei der Terminsetzung die Möglichkeit eines Sieges von Scharfenberg an diesem Tag nicht einkalkuliert. Immerhin,
bei der letzten OB-Wahl 2002 hatte Jacobs gegen Scharfenberg in der Stichwahl nur knapp gewonnen, mit gerade einmal 100 Stimmen Vorsprung.

Aber warum bis nach Potsdam blicken. Wie wird dieser Tag denn in unserer Stadt Unna gefeiert?
Eine offizielle Veranstaltung der Stadt findet nicht statt. Es ist in dieser Stadt allein die CDU mit ihrer Vereinigung, der OMV, die diesen Feiertag auch gebührend ehrt. Ich möchte mich an dieser Stelle im Namen des Stadtverbandes bei dem unermüdliche Protagonisten - Prof. Dr. Jürgen Vollradt - bedanken, der mit seinem Schaffen und seinen Verbindungen diesen Feierstunden, durch Einladungen vieler namhafter Redner, Glanz und eine überregionale Ausstrahlung gab und gibt.

Herzlichen Dank und ich denke, an dieser Stelle ist durchaus einen kräftigen Applaus angebracht. Über die Form dieser Feier, meine Damen und Herren, und das lassen Sie mich abschließend sagen, kann man ja durchaus unterschiedliche Vorstellungen entwickeln. Sie kann ernst und würdevoll wie hier in Unna erfolgen. Sie könnte auch heiter und freudig, begleitet durch andere Aktivitäten, erfolgen.

Aber eines ist doch wohl unstrittig,

+ das Verschwinden einer tödlichen Grenze in Deutschland und Europa nach vier Jahrzehnten des kalten Krieges,
+ der Fall der Mauer in Berlin
+ das Ende der zweiten Diktatur in Deutschland , der SED Diktatur
+ und die Wiedervereinigung Deutschlands bei voller Souveränität

sind doch wahrlich Gründe zu feiern!
 
 
» zurück